Von Głogów nach Wschowa wies Zürner zwei Alternativstrecken aus. Während die nördliche wohl nur einige Jahre genutzt wurde und bald von den Karten wieder verschwand, war die südlichere Trasse von längerem Bestand und dürfte annähernd der nachfolgend beschriebenen Route über Gola entsprechen. Wer auf der Fernverkehrsstraße Nr. 12 bleiben will, sollte einen Blick nach Szlichtyngowa werfen.

Verzweigung der Zürnerschen Route zwischen Sagan und Fraustadt, Auszug aus der polnischen Reisekarte von Homann, 1751

Verzweigung der Zürnerschen Route zwischen Żagań (Sagan) und Wschowa (Fraustadt), Auszug aus der polnischen Reisekarte von Homann, 1751

Vorbei am Schloss und der von der Oder und der Alten Oder umschlossenen Dom-Insel, verlassen wir Głogów in nördlicher Richtung und erreichen nach 3 km Serby (Zerbau). Nach einem weiteren Kilometer zweigt die Straße links nach Gola ab. An diesem Abzweig befand sich früher das schlesische Zollhaus. Die Straße führt nun durch ein waldiges Gelände, was zu preußischer Zeit militärischen Nutzungen, etwa als Exerzier- und Schießplatz, gedient hat.

Wir passieren hinter Krzekotów (Groß Vorwerk) die Woiwodschaftsgrenze zwischen Niederschlesien und Lubuskie (Lebus). Später weisen diverse Betonrudimente auf der damaligen Festungsstadt Glogau vorgelagerte Panzersperren aus dem 2. Weltkrieg hin. Nach 5 km erreichen wir das auch von Zürner vermerkte  Örtchen Gola (Guhlau) mit seiner barocken Kirche aus dem Jahr 1768, einem hölzernem Glockenturm und einer ebenfalls aus dem 18. Jh. stammenden Windmühle. Hinter Gola, an der Straßenkreuzung, wo die Straßen nach Stare Drewce (Alt-Driebitz) und Zamysłów (Hinzendorf) abzweigen, befand sich zu barocker Zeit die Grenze zwischen Schlesien und Polen.

Weitere 6 km in Richtung Wschowa liegt Konradowo (Kursdorf) mit seiner, dem Apostel Jakob geweihten Kirche, deren Geschichte bis ins 16. Jh. zurück reicht und sowie einem Gutshaus aus dem Ende des 19. Jh.

Hinter Konradowo wird die Bahnlinie Głogów – Leszno gequert und vor uns liegt nunmehr das geschichtsträchtige Wschowa, zu wettinischen Herrschaftszeiten die „zweite Hauptstadt“ Polens.

Hinein nach Wschowa

Hinein nach Wschowa

Szlichtyngowa (Schlichtingsheim)

Szlichtyngowa entstand als Ansiedlung protestantischer, schlesischer Exulanten. 1,5 km hinter der Grenze gelegen, gründete der Besitzer des Rittergutes Gorczyna (Gurschen), Johann Georg von Schlichting, mit Erlaubnis des polnischen Königs Władysław IV. Wasa im Jahre 1644 eine Stadt, die seinen Namen erhielt. Angelegt wurde die Stadt um einen rechteckigen Marktplatz und mit regelmäßigen Straßenzügen. 1793 gelangte Szlichtyngowa an Preußen, 1806 kam sie für 9 Jahre zum Herzogtum Warschau.

Das Rathaus wurde 1927 erbaut. Die historische Holzkirche brannte 1995 nieder und wurde 2002 in ähnlicher Form wieder aufgebaut. Erhalten geblieben ist auch der jüdische Friedhof der Stadt, der sich östlich der Straße Górzyna – Zamysłów befindet.

 

Links:

www.szlichtyngowa.pl